"Verzicht auf Freiheit": Andacht zum Sonntag Lätare

Hier finden Sie die Andacht zum Anhören...

Sonntag Lätare, 22.März 2020

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)

Liebe Gemeinde!

Lange hatte ich ergebnislos überlegt, welche Art Fasten ich in diesem Jahr für mich wähle. Auf Schokolade verzichten, aufs Fernsehen? Andere haben mir die Entscheidung inzwischen abgenommen: Der Corona-Virus und die Behörden. Sozusagen staatlich verordnetes „Kontakt-Fasten“.

Die Einschränkungen sind massiv, sie betreffen ja nicht nur meine eigenen Gewohnheiten, sondern greifen in Grundrechte ein. Dass sogar die Religionsfreiheit eingeschränkt ist und wir keine Gottesdienste halten dürfen - daran hätte ich im Traum nicht gedacht. Dagegen würde ich normalerweise heftig protestieren! Aber in dieser Situation ist es absolut sinnvoll und notwendig, nicht auf mein Recht zu pochen.

Ich verzichte: Auf einen Teil meiner Freiheit, auf das Recht hinzugehen, wo und wann ich will, mich zu treffen, mit wem ich will, zu konsumieren, was ich will. Es geht nicht mehr darum, was ich will, sondern darum, was für alle gut ist.

Dieser Verzicht kann letztendlich sogar Leben retten!

Vor diesem Hintergrund lese ich den Wochenspruch:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)

Jesus sagt das, bevor er in Jerusalem seinem Leiden und Sterben entgegen geht. Er wird verraten und von allen Freunden verlassen werden, man wird ihm keinen fairen Prozess machen, ihn demütigen, foltern und schließlich töten. Und es werden keine Armeen von Engeln kommen, um ihn, den Gottessohn, da raus zu hauen.

Jesus wird auf alle seine Rechte verzichten, auf alle Beweise von göttlicher Macht und Stärke.

Er wird ganz unten sein. Ganz allein.

Und sterben.

Das Weizenkorn liegt allein, tief unten in der Erde. Es vergeht, es löst sich auf, damit etwas Neues entsteht: Ein Keim, ein grüner Halm, schließlich eine Ähre voller neuer Körner. Es sind Viele.

Und sie leben!

Heute am Sonntag Lätare gibt uns dieser Wochenspruch einen kleinen Vorgeschmack auf Ostern. Das Osterlicht deutet sich an, die Hoffnung wächst, dass das Leben siegt.

Liebe Gemeinde,

auch wenn uns die momentane Entwicklung der Corona-Pandemie Angst macht, auch wenn unser Alltag durch die einschränkenden Maßnahmen gewaltig durcheinander kommt, auch wenn wir uns sorgen um unsere Lieben und die, die bereits erkrankt sind - Jesus ist und bleibt an unserer Seite und bei denen, für die wir beten.

„Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. … lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.“ (EG 396)

Dieser Jesus weiß, was Angst, was Alleinsein ist, aber er weiß auch, was Hingabe und Liebe bedeutet.

Jesu Verzicht führte ihn in den Tod - aber rettete die ganze Welt ins Leben!

Amen.

Pfarrerin Sabine Winkler
Fronhofstraße 9, Pegnitz
09241-724610

Wochenlieder im Evangelischen Gesangbuch:

  • EG 98     Korn das in die Erde, in den Tod versinkt
  • EG 396 Jesu meine Freude

 

Gebet

Herr Jesus Christus,
du hast dich ganz hingegeben für uns Menschen.
Du warst allein, machtlos und voller Angst,
damit du uns beistehst, wenn wir allein und ängstlich sind. Wir danken dir dafür.
Gib uns Kraft und Trost durch dein Wort und führe uns auf unserem Weg durch unsichere Zeiten.
Segne alle Mitarbeitenden in den Krankenhäusern und Pflegediensten, die Männer und Frauen bei Polizei und Feuerwehr und in den Notdiensten. Gib allen in öffentlicher Verantwortung Mut und Weisheit.
Schütze die Schwachen. Gib den Kranken Hoffnung und den Sterbenden deinen Frieden.
Hilf uns allen zu neuem Vertrauen.

Amen.

Vater unser im Himmel……