"Morgenland" - Andacht im Januar 2017

Lago Paranoa - Foto von Leandro Braga„Weise aus dem Morgenland“ kamen, um den neugeborenen Jesus anzubeten.
Morgenland – ein schönes Wort: Land der aufgehenden Sonne; Land, wo der Morgen herkommt; geheimnisvolles Land im Osten; …
Für die Bibel ist es das Land im Osten Israels, das fruchtbare „Zweistromland“ zwischen den beiden Flüssen Euphrat und Tigris, wo sich die erste Hochkultur der Menschheitsgeschichte entwickelte.
Von dort kam einst Abraham nach Israel. Von dort kamen immer wieder Soldaten, die Israel unterwarfen. Und: „gegen Osten hin“ lag der Garten Eden, den Gott für Adam und Eva pflanzte.
Die Weisen aus dem Morgenland kommen also von dort, wo nach der Bibel alles begann, wo alles herkommt: der Reichtum der Schöpfung; die Menschheit; der Stammvater des Volkes Israel; das Wissen und die Kultur der Menschen; das Licht der aufgehenden Sonne.
Warum tun sie das? Warum machen sie sich auf aus dem Land, wo es ihnen doch an nichts fehlt?
Sie suchen den, dessen Licht noch heller strahlt als das Licht der aufgehenden Sonne. Sie sind auf dem Weg zu dem, der höher ist als all ihre Weisheit und ihr Reichtum: das Kind in der Krippe, das sich später den Armen und Schwachen, den Ausgegrenzten und Kranken, den Schuldigen und Verzweifelten zuwenden wird. Dafür wird Jesus sogar sterben müssen. Aber er wird den Tod überwinden.
So schenkt Gott den Menschen mit diesem Kind ein neues Morgen über Schuld und Tod hinaus; einen Garten Eden, in dem Schwachheit und Krankheit, Hass und Streit, Krieg und Gewalt überwunden sind – ein neues „Morgenland“, zu dem wir mit den Hirten, den Weisen und vielen, vielen anderen unterwegs sind.

Morgenland – ein wunderbares Wort. Ein Wort, das es so schön wohl nur im Deutschen gibt. Wir haben dieses Wort (wie viele andere deutsche Worte) übrigens Martin Luther und seiner Bibelübersetzung zu verdanken.

Pfarrer Thomas Miertschischk

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