Andacht Oktober 2017: Fischzug und Sturmstillung

Der See Genezareth ist wohl das am meisten genannte Gewässer in den Evangelien. Er liegt in Nord-Israel und befindet sich etwa 210 Meter unter dem Meeresspiegel. Damit ist er der tiefste Süßwassersee der Erde. Die Israelis nennen ihn „Kinnereth“, der hebräische Name kommt von „Kinnor“, was Harfe oder Leier bedeutet und sich auf die ungewöhnliche Form des Sees beziehen soll. Der See ist auch unter folgenden Namen bekannt: Genesareth, Galiläisches Meer, See von Tiberias oder Tiberiassee. Er ist etwa 21 Kilometer lang und bis zu 12 km breit und seine durchschnittliche Tiefe beträgt 45 Meter. Sein Wasser erhält der See von dem an seinem Nordende eintretenden Jordan und von unterirdischen Quellen. An seinem Ufer liegen bedeutende biblische Orte und Landschaften: Kapernaum, der Berg der Seligpreisungen, Bethsaida und andere Orte, an denen sich Jesus aufgehalten hat.

1986 fanden Archäologen am südlichen Ufer den Umriss eines Bootes. Da vermutet wurde, dass das Boot möglicherweise aus der Zeit Jesu stammen könnte, nannte man es kurz „Jesus-Boot“.
Aus biblischer Sicht ist der See Genezareth von herausragender Bedeutung, insbesondere für Christen, denn hier spielen sich zahlreiche Szenen um Jesus ab. So soll er hier einige seiner Jünger berufen haben. Sie waren bisher Fischer am See Genezareth. Mehrmals wird von Begebenheiten auf einem Boot erzählt: Jesus predigt vom Boot aus, zieht sich auf ein Boot zurück, der Fischzug des Petrus, bei dem die Boote fast gesunken wären, und schließlich die Stillung des Sturms. Geschichten, die von Zweifel und Vertrauen handeln. Geschichten, die von der Natur als bedrohlich und lebensspendend erzählen. Und so haben die Menschen damals ihre natürliche Lebensumgebung noch viel stärker und wirkmächtiger erlebt als wir heute.

Über all dem steht Jesus als der Herr, der Wind und Wellen Einhalt gebieten kann, der den Fischern einen bisher nie gekannten Fang beschert. Der den See als Rückzugsort, als Labsal für die Seele erfährt. Der See Genezareth: der Ort, an dem Jesus seine Vollmacht zeigt und damit sagt: die ganze Welt ist Schöpfung Gottes, er hat Macht über alles, was auf der Erde ist.

Gerlinde Lauterbach

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