Andacht Mai 2017: Berg der Entscheidungen

Jeder kennt wohl den Postkartenblick auf die Altstadt von Jerusalem mit der golden leuchtenden Kuppel des Felsendoms in der Mitte. Es ist der Blick vom Ölberg östlich der Altstadt, der mit 840 Metern höchsten Erhebung der Stadt und des judäischen Berglandes.

Der Ölberg vor den Toren Jerusalems ist ein Ort, zu dem Jesus eine besondere Beziehung hatte. Öfter hielt er sich in Bethanien (einem Ort am Ölberg) auf, wenn er in Jerusalem war. Vom Ölberg aus zog Jesus in Jerusalem ein. Im Garten Gethsemane am Fuß des Ölbergs betete er, bevor er  gefangen genommen und zum Tod am Kreuz verurteilt wurde. Am Ölberg wurde Jesus schließlich vor den Augen seiner Jünger in den Himmel erhoben. Daran erinnert die ehemals orthodoxe Himmelfahrtskapelle, die heute eine Moschee ist. Am Himmelfahrtstag jedoch dürfen die christlichen Kirchen hier ihre Gottesdienste feiern.

Für Jesus war der Ölberg der „Berg der Entscheidungen“. Hier hat er das Vaterunser gelehrt, seine Endzeitrede gehalten, hat seinen Todeskampf im Gebet durchgestanden, ist in der Himmelfahrt wunderbar zur „Rechten des Vaters“ erhoben worden, und für diesen Ort hat er seine Rückkehr und das Endgericht angekündigt. Gleichzeitig war der Ölberg für Jesus auch ein Berg des Rückzugs, der inneren und äußeren Einkehr. Nach dem Aufenthalt in Jerusalem ging er nach Bethanien. Dort wurde er für seinen Tod gesalbt und fand noch einmal Ruhe vor seinem schweren Gang zum Kreuz.
Der Ölberg hat für Jerusalem und das jüdische Volk immer eine Schlüsselrolle gespielt. Auch die Juden erwarten von dort die Ankunft des Messias. Daher gibt es an den Hängen des Ölbergs mehrere jüdische Friedhöfe. Denn dort ist man unmittelbar am Ort des göttlichen Endgerichts.

Weithin sichtbar auf dem Gipfel steht die evangelische Himmelfahrtskirche der Auguste-Viktoria-Stiftung, die hier ein Pilger- und Begegnungszentrum eingerichtet hat. Menschen aus allen Ländern und allen drei Religionen kommen hier zusammen.

War und ist der Ölberg immer wieder Ort der Auseinandersetzung, so bietet er doch auch Gelegenheit der Begegnung zwischen Christen, Juden und Muslimen. So ist er Zeugnis der Geschichte und Gegenwart Israels.

Gerlinde Lauterbach

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