Andacht März2019: Ein Lied gegen die bösen Geister

Häufig werden aktuelle Gefühlszustände von uns Menschen auf verschiedenste Weise wahrgenommen. Oftmals kann man die Stimmungen förmlich hören. Viele Menschen singen, summen oder trällern Lieder so vor sich hin. Wir kennen Freudengesänge, traurige Lieder oder tröstende Musik. Die Musiktherapie ist sogar eine anerkannte Methode bei der Behandlung depressiver Menschen. Es ist erschreckend, in welchem Maße Erschöpfungsdepressionen – das heutige „Burnout“ – um sich greifen.

Auch zu biblischen Zeiten gab es schon Schwermut und Melancholie. Das 1. Samuelbuch erzählt von Saul, dem ersten König Israels:  „Der Geist aber des Herrn wich von Saul, und ein böser Geist vom Herrn machte ihn sehr traurig.“ (1. Samuel 16, 14) Sauls Berater machten sich ernsthaft Sorgen über die immer wiederkehrende Schwermut ihres Königs. Sie schlagen vor, einen Musiker zu engagieren, der ihn aufheitern soll. So kommt der Hirtenjunge David mit seiner Harfe an den Königshof. „Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.“ (1. Samuel 16, 23) Die positive Kraft von Melodien, Liedern und wohlklingenden Instrumenten vertreibt beim König die bösen Geister, Trübsal und Schwermut. Saul findet bei Davids Harfenspiel Ruhe, Trost und Ausgeglichenheit. Es wird ihm leicht ums Herz, seine dunklen Gedanken verfliegen und alle Unruhe weicht von ihm.

Das ist 3000 Jahre her. Und bis heute reagieren Menschen auf unterschiedliche Weise auf klassische Musik, Jazz, Pop, Blues usw. Wir Christen haben in unseren religiösen Liedern und Orchesterwerken eine Fundgrube, um Trost, Freude oder Hoffnung zu finden. Durch die Musik wird uns das Evangelium ins Herz gesungen: „Nun freut euch, lieben Christen g'mein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen“ (EG 341). Auch der Tiefgang eines Bach-Chorals oder das „Jauchzet, frohlocket“ aus dem Weihnachtsoratorium können für uns das sein, was Davids Harfenspiel für König Saul war.

Doris Bernet-Bauer