Andacht Juni 2019: Gottes Gnade einatmen, Lob ausatmen!

Halleluja! Lobet den HERRN in seinem Heiligtum;
lobet ihn in der Feste seiner Macht!
Lobet ihn in seinen Taten;
lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Lobet ihn mit Posaunen;
lobet ihn mit Psalter und Harfe!
Lobet ihn mit Pauken und Reigen;
lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!
Lobet ihn mit hellen Zimbeln;
lobet ihn mit wohlklingenden Zimbeln!
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!
Halleluja!
(Psalm 150)

Als das Große Halleluja ist dieser letzte der Psalmen betitelt. Beim Lesen der ersten fünf Verse schießen mir zwei Gedanken durch den Kopf. Der erste: Wunderbar – aber was soll ich als völlig unmusikalischer Mensch jetzt tun? Kann ich Gott auch dann loben, wenn ich nur mitbrumme oder nur andeutungsweise die Lippen bewege, damit es nicht auffällt, dass ich nur völlig schräge Töne von mir gebe? Der andere Gedanke ist: Wenn ich mir alle diese alten Instrumente vorstelle – was da zu hören ist, wenn die alle loslegen? Da fürchte ich, es kommt eine ganz schöne Katzenmusik dabei heraus.

Doch der Psalm hat noch einen letzten Vers, der dann alles wieder ins Lot richtet:  Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja! Nicht nur mit Instrumenten sollen wir Gott loben; nein, alle, die leben, sollen den Herrn loben. Instrument kann alles sein, was geeignet ist, von uns weg auf ihn hinzuweisen. Auch mit einem guten Wort kann man Gott loben oder mit Händen und Füßen, mit Plätzchenbacken beim Weihnachtsmarkt, mit freundlichen Augen und zuhörenden Ohren beim Besuchsdienst im Brigittenheim und Krankenhaus. Auch mit Fachwissen und Verstand kann man Gott loben, wenn man sich für ihn und seine Sache einsetzt in Gremien und Diskussionen. „Gott loben” ist nicht nur das erbauliche Zimbelspiel im Kirchenkonzert, sondern auch das weit weniger erbauliche Windelwechseln der Diakonieschwester bei einem Demenzkranken.

Alles, was atmen kann, lobe den Herrn – Arme und Reiche, Schlaue und Einfältige, Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Schwarze, Weiße, Betende und Arbeitende, Glaubende und Zweifelnde.

Und was sich da wie ein wirres Durcheinander dieser Instrumente anhört, das ist in Gottes Ohren schon längst ein fein durchkomponiertes Orchester.

Alles, was Gottes Gnade eingeatmet hat, soll Lob ausatmen! So formuliert es Martin Luther, und pointierter kann man es nicht zusammenfassen.

Rainer  Dippe



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