Andacht Februar 2020: Dem Herrn geheiligt

Mariä Lichtmess ist ein kirchlicher Feiertag, den wir evangelische Christen meist gar nicht bewusst wahrnehmen. Traditionell markiert Lichtmess auch bei uns das Ende der Weihnachtszeit: 40 Tage nach Weihnachten werden die Christbäume aus der Kirche entfernt. Die korrekte Bezeichnung dieses Festes lautet „Darstellung des Herrn” und erinnert an die Darstellung, heute würde man wohl sagen, Vorstellung oder Einführung des neugeborenen Jesus durch seine Eltern im Tempel:


„Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war. Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn: »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (Luk. 2,22-24)


Beispielhaft zeigt dieser Text, wie sehr unser christliches Evangelium in der jüdischen Thora verwurzelt ist. Die Gebote des alten Testamentes für Mütter und erstgeborene Söhne werden von Jesu Eltern genauestens befolgt.


Im Tempel wartet der alte Simeon auf die Erfüllung seiner Offenbarung, dass er nicht sterben würde, bevor er den Heiland gesehen hat, und er erkennt Jesus mit den Worten:


„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.” (Luk 2, 29-32) 


Zum ersten mal wird Christus als das Licht der Welt bezeichnet. Ein Licht, das uns sehen lässt und die Dunkelheit des Todes vertreibt. Nachts sind alle Katzen grau – mit Licht erst sehen wir die unterschiedlichen Farben, sehen wir die Vielfalt des Lebens und die Schönheit der Schöpfung. Und so tut es uns gut, wenn wir als Jünger Jesu dieses Licht hinaustragen in unsere düstere, von apokalyptischen Visionen verstörte Welt. Wollen wir selber ein bisschen Licht sein für diese Welt, indem wir Christus bekennen und ihm folgen, der das Licht der Welt ist und der diese Welt nicht untergehen lassen wird. 


Rainer Dippe

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