Andacht Februar 2019: Vergebliche Liebesmüh'?

Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land, / dort hackt ich den Boden mit eigener Hand, / ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf, / baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf. / Und süße Trauben erhofft ich zu Recht, / doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht.

Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt: / Weg reiß ich die Hecke, als Schutz einst gesetzt; / zum Weiden solln Schafe und Rinder hinein! / Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein! / Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen! / Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!

Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten! / Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr! / Er hoffte auf Rechtsspruch – und erntete Rechtsbruch, / statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!     (Jesaja 5, 2–7)

Bis heute ist die Arbeit im Weinberg anstrengend und aufwendig. Statistisch gesehen kümmert sich der Winzer 17mal im Jahr um jeden einzelnen Weinstock. So galt seine Arbeit schon im alten Israel als Sinnbild für Hingabe und innige Liebe. Auch der Weinbergbesitzer in Jesajas Weinberglied hat viel Mühe investiert. Er hat umgegraben, entsteint, gepflanzt, eine Mauer, einen Turm und eine Traubenpresse gebaut. So will auch die Liebe kultiviert und gepflegt werden. Unsere Beziehungen sind keine Selbstläufer.

Der Winzer erwartet zu Recht eine gute Ernte. Aber das Gegenteil ist der Fall: Nichts als schlechte Trauben! Der Mann ist außer sich. Nun möchte er alles dem Erdboden gleichmachen.

Der Weinbergbesitzer steht für Gott, der ein zorniges Lied singt über die Menschen, die er liebt und gehegt hat. Kann man sich eine Beziehungskrise zwischen Gott und den Menschen vorstellen? Gott wütend und außer Rand und Band, weil die Menschen Unrecht leben und böse Worte zum Alltag gehören? Wo ist da die frohe Botschaft?

Gott ist gnädig, er steht mir bei und ich kann mich immer an ihn wenden. Aber genauso werde ich von ihm gefragt: Was tust du, wie lebst du, wie gehst du mit anderen um? Mein Verhältnis zu Gott ist keine Einbahnstraße. Ich werde nicht nur beschenkt, sondern das Geschenk ist auch eine Verpflichtung. Der Zorn Gottes ist nur die Rückseite seiner Liebe. Und die ist das Entscheidende. Uns zeigt sie sich in seinem Sohn Jesus Christus. Wir, die Geliebten, können uns Gottes Liebe gefallen lassen und unsere Früchte bringen.

Gisela Schleifer

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