Andacht Dezember 2018: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron“

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.(Lk 1, 46-55)

Um das Jahr 1200 wurde in Paris zwischen Weihnachten und Neujahr ein ganz besonderes Fest gefeiert. Da durften alle, die sonst dienen mussten, einmal tun, was sie wollten. Sie wählten sich sogar einen eigenen Bischof für diesen einen Tag. Der Höhepunkt des Festes war der Lobgesang der Maria. Und immer wieder – wie unabsichtlich – blieb das Volk an dieser Stelle hängen: Er stürzt die Mächtigen vom Thron… Und hörte nicht auf damit, bis auch der letzte verstanden hatte, was darin für ein Zündstoff steckt. Das wurde den Mächtigen dann doch zu viel. So ordnete der Erzbischof von Paris an, die Stelle dürfe nur fünf Mal wiederholt werden – nicht öfter.

Das Protestlied der Maria ist eines meiner Lieblingslieder. Maria singt der Welt Gottes Revolution zu – aber bei der wird gesungen und nicht geschossen. Und deshalb ist sie so sympathisch.

Mit dem Namen Marias klingt vieles mit: Wärme und Licht, Poesie und Zärtlichkeit, der Advent. Am meisten aber klingt ihr Lied von der Freiheit der Unterdrückten, von Recht und Gerechtigkeit. Und ich wünsche ich mir, dass es immer lauter und diese Botschaft immer deutlicher verkündet wird, wächst und wächst wie das Kind in Maria. Denn immer da, wo das gelingt, wo Hungrige satt werden, wo die an den Rand Gedrückten in die Mitte geholt werden, die Niedrigen erhoben, da begegnen sich Himmel und Erde.

Dr. Gerhard Schoenauer, Dekan

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