Andacht August 2017: Quelle in der Wüste

En-Gedi ist eine Oase an der Westküste des Toten Meers. Zwischen dieser Wasserwüste und der Felswüste südlich von Jerusalem blüht hier das Leben, suchen Urlauber Erfrischung. Aber nicht nur Wasser gibt es hier, sondern auch schwer zugängliche Felstäler und Höhlen. Deshalb ist En-Gedi nicht nur für Urlauber, sondern war früher auch für Verfolgte ein idealer Zufluchtsort – einmal sogar für den späteren König David.
Saul, Israels erster König, war neidisch auf David, weil dieser so erfolgreich im Krieg war. Deshalb wollte er ihn töten. David aber floh in die Wüste. Als Sauls Truppen ihm und seinen Männern schließlich die Fluchtwege abgeschnitten hatten, versteckte er sich in einer der Höhlen von En-Gedi.

Das erste Samuelbuch (Kapitel 24) berichtet, dass König Saul während der Suche nach David genau in dieser Höhle sein Geschäft erledigte – eine ideale Gelegenheit für David, seinen Verfolger zu töten. Doch gegen den Rat seiner Männer verschonte David Saul. Er schnitt nur ein Stück von Sauls Gewand ab.

Als Saul die Höhle verließ, rief ihm David hinterher und zeigte ihm den abgeschnittenen Rockzipfel zum Beweis, dass er dem König gegenüber keine bösen Absichten hege und es keinen Grund zur Verfolgung gebe. Saul ist von dieser Friedensgeste zu Tränen gerührt:

Saul weinte und sprach zu David: Du bist gerechter als ich, du hast mir Gutes erwiesen; ich aber habe dir Böses erwiesen. Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn im Guten seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast! Nun siehe, ich weiß, dass du König werden wirst und das Königtum über Israel in deiner Hand Bestand haben wird. (1. Samuel 24,17–21)

So wie in En-Gedi mitten in der Wüste das Leben blüht, so kann Friede nur dort aufblühen, wo Böses nicht mit Bösem beantwortet wird.

Thomas Miertschischk

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