Andacht April 2019: Ein Mutmachlied sprengt Ketten

Paulus ist einer der berühmtesten Apostel der Bibel. Die meisten Briefe des Neuen Testaments stammen aus seiner Feder. Zusammen mit verschiedenen Begleitern reiste er bis nach Europa und erzählte von der Botschaft Jesu. Einer, der mit ihm zog, war Silas.

Einmal waren Paulus und Silas in Philippi unterwegs, als ihnen eine Sklavin begegnete, die von einem bösen Geist der Wahrsagerei besessen war. Als Paulus schließlich den Dämon austrieb, gerieten die Besitzer der Sklavin außer sich, schleiften die Apostel auf den Marktplatz, und hetzten die Menge gegen sie auf. In aller Öffentlichkeit wurden sie brutal ausgepeitscht und schließlich ins Gefängnis geworfen. Paulus und Silas lagen blutend im Kerker, einem dunklen Loch. Was nun? Eine ausweglose Situation! - Was die Mitgefangenen aber um Mitternacht hörten, verschlug ihnen die Sprache: Die beiden Männer stimmten inmitten ihrer verzweifelten Lage Loblieder für Gott an. Keine Klagelieder, sondern Loblieder. Und was bewirkte dieser mitternächtliche Gefangenenchor?

Plötzlich bebte die Erde so heftig, dass das ganze Gefängnis bis in die Grundmauern erschüttert wurde; alle Türen sprangen auf, und die Ketten der Gefangenen fielen ab. (Apostelgeschichte 16, 26)

Die Lobpreisung oder die Macht der Musik hatte sie anscheinend befreit. Auch, wenn es um uns finster wird, Gott hat uns nicht verlassen, sondern ist bei uns. Paulus und Silas hatten das verstanden. Sie priesen Gott selbst in dieser ausweglosen Lebenslage und kamen so frei.

Es gibt auch andere Beispiele für die besondere Wirkung von Musik: von den Häftlingen der Konzentrationslager wurde Musik als Teil einer Überlebensstrategie genutzt, um die erlittenen Demütigungen zu verarbeiten und dem Lageralltag kurzzeitig zu entfliehen. „Mutmachlieder“ sprengen Ketten und machen frei - innerlich und äußerlich, in der Bibel und im Leben.

Andrea Giesbert

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